Raumluft – quo vadis?

Der moderne Baustandard ermöglicht die Herstellung einer dauerhaft luftundurchlässigen Gebäudehülle, die den Austausch zwischen Raum- und Außenluft auf ein Minimum begrenzt. Im ersten Moment erscheint diese Entwicklung im krassen Gegensatz zu unserem Bedürfnis nach Frischluft zu stehen. Aus Komfort- und Energiespargründen wird ein undichtes, zugiges Gebäude heute nicht mehr akzeptiert. Allein durch den Einbau dicht schließender Fenster werden Häuser noch nicht ausreichend luftdicht, jedoch ist der verbleibende natürliche Luftwechsel über Leckagen in der Baukonstruktion weder bauphysikalisch erwünscht, noch hygienisch geeignet, um zufriedenstellende Raumluftzustände für den Menschen und einen ausreichenden Feuchte- und Schimmelschutz für die Bausubstanz zu gewährleisten.

Die gesamte Verantwortung für den erforderlichen Luftwechsel wird derzeit in mehr als zwei Drittel aller Wohnungen und Einfamilienhäusern den Nutzern übertragen. Die damit verbundenen Probleme sind heute das tägliche Geschäft von Sachverständigen und Richtern, die im Schadensfall sehr oft den Bewohnern zumindest eine Teilschuld für falsches Lüftungsverhalten zuschreiben.

In Daueraufenthaltsräumen, das sind im Wohnbereich vor allem Schlafräume müsste bei Belegung praktisch immer das Fenster gekippt, bzw. bei niedrigen Außentemperaturen oder widriger Witterung alle 20 bis 40 Minuten stoßgelüftet werden. Dass dies weder komfortabel noch praktisch umsetzbar ist, steht außer Zweifel.

Im Regelfall ist die Frischluftversorgung in Wohnräumen unzureichend, mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden der Menschen. Spezialisierte Mediziner registrieren außerdem eine steigende Tendenz von Atemwegserkrankungen, Allergien und chronischen Beschwerden, die unmittelbar mit der Luftqualität in Zusammenhang stehen.

Die oftmals ausgesprochene Empfehlung sich möglichst viel in frischer Außenluft aufzuhalten, wäre wünschenswert, geht aber in einer Gesellschaft, die sich durchschnittlich zu 90% in Innenräumen aufhält, eindeutig an der Realität vorbei.